Zur Begriffsklärung (Gender- Mainstreaming)

Der Begriff Gender stammt aus dem Englischen und hat sich in Deutschland als Fachbegriff eingebürgert. Während im Deutschen mit dem Wort Geschlecht das biologische Geschlecht gemeint ist, wird im englischsprachigen Raum zwischen sex und gender unterschieden:

Sex beschreibt das biologische Geschlecht mit all seinen physiologischen Merkmalen, Gender dagegen das politisch, sozial und kulturell geprägte Geschlecht sowie die Geschlechterrollen. Gender wird auf dem Weg der Sozialisation erlernt, ist gesellschaftlich strukturiert und somit beeinfluss- und veränderbar. Außerdem umfasst der Begriff Gender die Vorstellung davon, was typisch weiblich und typisch männlich ist.

Der englische Begriff Mainstreaming bedeutet übersetzt „Einbringen in den Hauptstrom“. Gemeint ist hier das Einbringen einer inhaltlichen Perspektive.

Gender- Mainstreaming ist somit als Aufgabe bei allen Entscheidungen und Prozessen in der Schule zu verstehen und bezeichnet die Strategie, die Gleichstellung von Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männern zu einem wichtigen Ziel in allen Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen zu machen. Mädchen/ Frauen und Jungen/ Männer sollen in ihrer Unterschiedlichkeit wahr und ernst genommen werden.

 

1. Leitziele

Da es aufgrund der Geschlechterrollen immer noch Bevorzugungen und Benachteiligungen gibt, soll auf einen gleichberechtigten Umgang mit Schülerinnen/ Lehrerinnen und Schülern/ Lehrern hingewirkt werden.

Die Institution Schule hat die wichtige Funktion, die gegenwärtigen Einstellungen und rollentypischen Ansichten bewusst zu machen, um die Emanzipation der Geschlechter in unserer Gemeinschaft zu fördern (aus: Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe 1 – Realschule).

2. Handlungsfelder an unserer Schule

Unterrichten unter Gender – Aspekten

Die Unterrichtsinhalte sollen möglichst so ausgewählt werden, dass sie zur kritischen Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen anregen. So kann beispielsweise im Deutschunterricht darauf geachtet werden, dass die Themen der besprochenen Lektüren sowohl Jungen als auch Mädchen ansprechen oder abwechselnd eines der Geschlechter stärker berücksichtigt wird. Näheres regeln die schulinternen Lehrpläne der Fächer. Die Fachkonferenzen sind daher aufgefordert, diese Lehrpläne zu überprüfen:

  • Unterrichtsinhalte sollen gleichermaßen Mädchen und Jungen ansprechen.
  • Rollengegenerfahrungen werden bewusst gemacht.
  • Schülerinnen und Schüler werden ermutigt, sich auch mit geschlechteruntypischen Themen auseinanderzusetzen.
  • Unterrichtsinhalte sollen zur kritischen Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen anregen.
  • Neue Lehrmittel sollen Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigen.
  • Leistungen sollen frei von mädchen- und jungentypischen Verhaltenszuschreibungen gewertet werden.
  • In der Leistungserwartung sollen Rollenklischees vermieden werden. So sollte soziales Engagement nicht nur an Mädchen herangetragen werden und technische und sportliche Anforderungen nicht bevorzugt an Jungen.

Folgende Vorgehensweisen sollen im Unterricht Berücksichtigung finden:

  • gleichmäßige Beteiligung von Jungen und Mädchen
  • Bildung von Zufallsgruppen bei der Sitzordnung und bei Gruppenarbeit
  • gleichmäßige Verteilung von Klassendiensten
  • unterschiedliches Störverhalten von Jungen und Mädchen hinterfragen und methodisch auffangen
  • Übungen zur sprachlichen Bearbeitung von Konflikten
  • eine Sprachkultur pflegen, die beide Geschlechter berücksichtigt

In einigen Fächern finden zeitweise geschlechtsspezifische Unterschiede besondere Berücksichtigung:

Biologie: bei den Themen Verhütung, Monatshygiene, Besuch beim Frauenarzt, „ weiblicher Körper“, Fragen des Sexualverhaltens

Kunst und Textilgestaltung: Berücksichtigung von Mädchen- und Jungenthemen

Sport (Klasse 5-7):Der Sportunterricht findet koedukativ statt, um die Klassengemeinschaft zu stärken und um den Kontakt zum und den Umgang mit dem anderen Geschlecht zu fordern und zu fördern. In diesen Jahrgangsstufen wird auch die Möglichkeit der reflexiven Koedukation genutzt.

Sport (Klasse 8 und 9): Der Sportunterricht findet getrenntgeschlechtlich statt (Monoedukation). Hierbei besteht eher die Möglichkeit:

  • die eigene Geschlechtsidentität im „geschützten“ Raum zu finden
  • die jeweiligen Stärken und Schwächen kennen und einschätzen zu lernen
  • die jeweiligen Gefühle, Interessen und Bedürfnisse besser kennenzulernen
  • Probleme, Phantasien und Konflikte zu artikulieren
  • seine sportlichen Kompetenzen zu erweitern und sportliche Orientierungshilfen zu erhalten.
  • sich mit tradierten Geschlechterrollen auseinanderzusetzen

Sport (Klasse 10): Themen nach Wahl

Politik (Klasse 9): Projekt „Emanzipatorische Jugendarbeit“

Die Mädchen nehmen an einem Selbstsicherheitstraining teil, bei dem sie ihre Einstellungen und Verhaltensweisen reflektieren und selbstsicheres Auftreten und Verteidigungsstrategien trainieren.

Die Jungen nehmen an einem Konflikttraining teil, bei dem sie sich mit ihrer männlichen Rolle auseinandersetzen und ihre Kommunikations- und Konfliktfähigkeit trainieren.

Pausenangebote durch Sporthelfer ergänzen die unterrichtlichen Angebote. Sie schaffen Bewegungsangebote für Jungen und Mädchen auf dem „Soccer- Platz“ der Hauptschule (Softbälle, Fußbälle und Springseile stehen zur Verfügung)

Mittagspausenangebot behält die Interessen beider Geschlechtergruppen im Blick. Der Spieleraum (mit Kicker, Airhockey, Dart) und die Chill-Lounge können gemeinsam genutzt werden. In der Schulbibliothek stehen Bücher sowohl mit Mädchen- und Jungenthemen als auch neutralen Themen zur Verfügung

Bei der Berufswahlvorbereitung sollte folgendes berücksichtigt werden:

  • Mädchen und Jungen, die Interessen abweichend vom typischen Rollenklischee zeigen, sollen ermutigt werden, ihre Ziele zu verfolgen.
  • Beiden Geschlechtern sollten Chancen und Möglichkeiten eröffnet werden, rollenuntypische Berufsfelder kennenzulernen (u.a. „Girls'-day“ -“Boys'-day“)
  • Jungen und Mädchen sollen lernen, tradierte Lebensentwürfe zu hinterfragen.
  • Es sollen Frauen- und Männerberufe thematisiert werden (u.a. mit ihren Zukunftschancen und Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten).

Schulkultur

Sprache und Kommunikation: Im Sinne des Gender Mainstreaming muss der Sprachgebrauch zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern sowie dem gesamten Schulpersonal frei sein von sexistischen Äußerungen.

Die Schule hat eindeutige Regeln für den Umgang miteinander festgelegt, fordert diese konsequent ein und reagiert bei Regelverstößen direkt.

Parität in den Gremien: Eine gleichmäßige Verteilung von weiblichen und männlichen Mitgliedern soll in etwa angestrebt werden.

Raum-/ Gebäudegestaltung: Das Aufhängen von sexistischen Plakaten ist nicht gestattet, ebenso das Tragen von T-Shirts mit beleidigenden Aufdrucken.

Wir haben ein kollegiales und vertrauensvolles Klima zwischen Lehrerinnen und Lehrern und dienen so den Schülerinnen und Schülern als nachahmenswertes Vorbild.

Führung und Schulmanagement

Schulgesetz, LGG, LBG, ADO und Frauenförderplan bilden die Handlungsgrundlage der Schulleitung. Bei der Unterrichtsorganisation richtet sich die Schulleitung nach der „Handreichung zum Einsatz teilzeitbeschäftigter Lehrerinnen und Lehrer“. Dabei werden Wünsche und Bedürfnisse von Teilzeitbeschäftigten, die frühzeitig bekannt gegeben werden, im Rahmen der Möglichkeiten) in einem vertretbaren Verhältnis berücksichtigt. Es wird dabei auf proportionalen Einsatz von teilzeitbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrern in Bezug auf Pausenaufsicht, Vertretungsstunden, Springstunden, Elternsprechtage, Schulfeste, Projekttage etc. geachtet. Bei Änderungen gegenüber Absprachen werden die Betroffenen so früh wie möglich informiert, damit Zeit zur Organisationsänderung besteht.

Der Schulleitung und dem Kollegium ist bewusst, dass auch Vollzeitbeschäftigte unter Umständen Eltern und pflegende Angehörige sind. Zur Lösung von Problemen im konkreten Einzelfall sprechen wir miteinander und unterstützen uns gegenseitig.

Die Schulleitung fördert gezielt die Entwicklung von Lehrerinnen und Lehrern zur Qualifizierung für Führungspositionen in der Schule. Dies geschieht im Rahmen transparenter Angebote vor allem durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen der Bezirksregierung, aber auch durch bewusste Übertragung von Verantwortung in Teilbereichen. Schwangerschaften, Elternzeiten und ähnliche familienbedingte Unterbrechungen der Beschäftigungszeit dürfen sich nicht negativ auf die berufliche Entwicklung von Lehrerinnen oder Lehrern auswirken!

Professionalität von Lehrkräften

Die Lehrerinnen und Lehrer beteiligen sich an der Entwicklung und Realisierung des Gender- Konzepts durch die Reflexion der eigenen Rolle und deren Einfluss auf die Unterrichts- und Erziehungsarbeit (Intervention bei Benachteiligungen, sensibler Umgang mit tradierten Rollenerwartungen, Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Entwicklungsunterschiede etc.).

Diese Aufzählung ist offen und kann ergänzt werden. Sie ist Bestandteil des Schulprogramms der Realschule Lindlar und hat bindenden Charakter für alle Beteiligten.


Hier sind sie:

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